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17 | 12 | 2017
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Montag, den 16. Januar 2012 um 09:36 Uhr

„Kommt und seht“

Impuls in den Januar von Heinrich Klöpping


Ich bin unterwegs, eine große Pfütze zu fotografieren.

Himmel, Wolken-fetzen, Abendsonne, gespiegelt im Wasserstau eines Ackers am Weg zum Kreuz der KAB.

Ich möchte ein Bild mit dem Blau des Himmels, weiß-wölkchen garniert, in der Pfütze am Wegrand zu Hause.
Von weitem sehe ich das Objekt. Freude kommt auf: Das wird was! Ich komme hin. –
Eine Wolke verdirbt mir das Motiv.                 Und jetzt!?



Ich höre keinen rufen „Komm und sieh!“. Ich gehe meinen Weg einfach weiter, komme an und sehe das:


„Kommt und seht“ sagt Jesus den Johannesjüngern und sie kehren bei Jesus ein.
„Um die zehnte Stunde“ sagt das Evangelium. Ist das nicht mittags um drei?!
Was können da die Jünger sehen?
Bäume und Sträucher in der Winterkahle.
Fahles Blau lässt Himmel nur noch ahnen.
Häppchenweise eingewölkt wie Schuld-be-kenntnis-taktik.
Atommeilers Dampfgrüße bestreichen zwielichtig den Rand.
Nacht gründelt unter dem Christuspfeil.
Klagelieder drängen sich auf:
„Dahin ist mein Glanz“, „Ich habe vergessen, was Glück ist“
Und die Sonne?
Licht, Leben, Liebe, Hoffnung, Zukunft:
Restschimmer hinter trockenem Sinngeäst?
„Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft,
sein Erbarmen ist nicht zu Ende“
entdecken die Klagelieder und bekennen:
„Neu ist es an jedem Morgen.“
Das macht mir Mut, im Abend den Morgen zu ahnen.
Das Bild einfach kippen zu lassen.
So wie Gott die Welt auf den Kopf gestellt hat:
„Das Wort ist Fleisch geworden.“
Leute sagen: Die Christen sind verrückt.
Die machen den Abend zum Morgen.
Gott selbst hat die Maßstäbe verrückt.
Er schickt in das Dunkel Licht.
In den Tod Auferstehung.
In unser Leben seine Präsenz.
Kommt und seht.
Mittags um drei.
Da wendet die Sonne den Sinn.

Jetzt bin ich mit den Wolken versöhnt, die mir das gewünschte Bild von der Pfütze versaut haben. Ich konnte mein Bild nicht machen. Aber dann wurde mir auf dem gleichen Weg eine neue Perspektive gewahr. Von der Natur geschenkt.
Ich kenne einen, der mir schon viele neue Perspektiven geschenkt hat.
Von ihm hab ich gelernt: Mach Herz und Augen auf, komm und sieh!
Mir macht jetzt auch das verwölkte Pfützenbild was her. So ist Versöhnung…

Heinrich Klöpping



Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 08. Februar 2012 um 09:37 Uhr